Auferstehung mit Untoten

Zombie-Licht

Zombie-Licht

Müargh! Krakh! Raaarh! Wie hirnlos (Vorsicht, Kalauer!) sind doch die ersten Worte von Menschen, die sich soeben in einen Zombie verwandelt haben. Wenn ich mal von den Toten zurückkehre, dann möchte ich meinen guten Freund Bender B. Rodriguez zitieren:

I’m back, baby!

Nach einem Jahr im bloggerischen Jenseits bin ich zurück, und weil ich an Symbole glaub, mit einem Text über Zombies. Die sind derzeit der letzte Schrei im Fernsehen, im Computerspiel  und im Kino, wo aktuell „World War Z“ läuft. Ein so ein Schmarrn: Brad Pitt rast in einer Mischung aus „Da Vinci Code“, „Armageddon“ und „2012“ durch eine apokalyptische Welt auf der Suche nach einem Mittel gegen die Zombie-Epidemie.

Schade um die vergebene Chance, philosophisch-soziokulturelle Aspekte in einem Endzeitszenario auszuloten, wie dies vielen anderen Zombie-Filmen der letzten Jahre geglückt ist. In der ersten Hälfte von „I am Legend“ quält sich Will Smith als einziger Überlebender durch ein menschenleeres New York und wirft dabei die Frage auf, wer lebloser ist: die untoten Horden oder der vereinsamte Mensch? (Danach flaut der Film in ein maues Krawutzspektakel ab.) „Warm Bodies“ erweitert das vampirerprobte Erfolgsrezept „Monster liebt Mädchen“ um einige witzige Seitenhiebe auf motivationslose Slacker und um die Überlegung, wofür es sich zu leben und zu kämpfen lohnt. „Zombieland“ wiederum spielt mit den Regeln des Genres wie weiland „Scream“ mit jenen der Serienkiller-Filme und bietet neben einem untoten Bill Murray wichtige Tipps zum Überleben der Zombiekalypse.

World War Cat

World War Cat

Von all dem ist „World War Z“ weit entfernt. Was man stattdessen von dem Film erwarten darf, sind hektische Bilder von supersportlichen Untoten, die wie die Sintflut gegen die Mauern der Zivilisation branden. Nur – und das ist für mich persönlich besonders enttäuschend – die Zombie-Katzen kommen entgegen anderslautenden Berichten bei der Apokalypse nicht vor. Wahrscheinlich schmieden die Katzen ganz unabhängig von den Untoten ihre eigenen Welteroberungspläne.

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Göttliche Spammail

Sexhungrige Hausfrauen, nordafrikanische Despoten, die spanische Lotterie: Täglich erhalte ich mehr oder weniger lustige E-Mails von mir unbekannten Personen, die mit mir heiße Nächte und/oder ihr Geld teilen wollen. Aber dass Gott (genauer gesagt Allah) sich persönlich per Mail an mich wendet, um mit mir sein Wort zu teilen, ist mir bisher erst einmal passiert.

Dear Friend,

Your email was suggested as someone who may have heard of God (Allah) and it was suggested I reach out to you, personally. I am God Allah and looking to people for purposes previously explained by the church or mosque i.e. The Resurrection. If you’d like to help get something started, email Me back. You were also noted as a member of the INTL Media. I am looking for an ongoing media relationship in order to report progress on The Resurrection. For example, for starters, I report God Allah is alive and well.

Emergency Message,

ALLAH

God@llah.us
P.O. Box 701
San Mateo, CA 94401
+1-650-458-7524

Allah lebt und es geht ihm gut? Na da freu ich mich doch. Gleichzeitig hoffe ich, er lässt sich mit der Organisation des „Judgment Day“ (wie’s auf der Homepage hinter der Spam-Mail angekündigt wird) noch Zeit: Ich warte nämlich noch auf Nachricht von Buddha und Jehova, damit ich sie gemeinsam mit Manitu und Cthulu zu einer Bridge-Partie im Takatukaland treffen kann.

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Superhelden und die Sucht

Immer wenn in der bunten Welt der Comics ein übermächtiger Gegner die Menschen zu zerquetschen droht, kommt von irgendwo ein Lichtlein Superheld her: Captain America verprügelt Hitler, Methadone Man bekämpft HIV, und Batman ringt mit seinen Selbstzweifeln. Im Kampf gegen Sucht und Abhängigkeit helfen zwei Superhelden der griechischen Antike: Orpheus und Odysseus stehen Pate für zwei entgegengesetzte Ansätze in der Suchttherapie.

Odysseus und die SirenenDer Wirtschaftsnobelpreisträger Thomas Schelling schlägt den Weg des Odysseus vor: Um dem betörenden Gesang der Sirenen lauschen zu können, ohne der Versuchung anheim zu fallen, ließ sich der listenreiche Odysseus an den Mast seines Schiffes fesseln. Wer also – wie Schelling vorschlägt – dem Alkohol/Glücksspiel/Internet widerstehen will, soll die Versuchungen großräumig umsegeln, keinen Tropfen Alkohol anrühren, einen weiten Umweg um jedes Casino machen, den Computer nicht oder nur für begrenzte Zeit einschalten.

AOrpheusls Alternative dazu propagiert das Anton-Proksch-Institut, eine Suchtklinik in Kalksburg bei Wien, den Weg des Orpheus: Auch er segelte an der Klippe mit den Sirenen vorbei, ließ sich aber nicht fesseln, sondern hat einfach zu singen begonnen – und zwar noch schöner als die Sirenen. Will heißen: Das Leben abseits von Alkohol, Internet oder Glücksspiel soll so interessant und abwechslungsreich gestaltet werden, dass gar kein Platz für die Sucht ist.

Diablo III

Diablo III

Ich persönlich halte den Weg des Orpheus für sinnvoller, weil die Versuchung dann nicht ständig im Hinterkopf herumgeistert und die Bewegungsfreiheit nicht eingeschränkt ist. Vielleicht ist das aber auch nur deshalb meine Meinung, weil ich mir dann hin und wieder ohne schlechtes Gewissen eine verbotene Frucht gönnen kann. In diesen Minuten erhält nämlich meine Sucht neues Futter, wenn das Computerspiel Diablo III erscheinen wird. Und ich weiß, dass ich in den nächsten Wochen viel Zeit mit Monstermetzeln verbringen werde. Verzicht? Fehlanzeige. Ich denke, ich werde meine heldenhafte Dämonenjägerin zu Ehren ihres Paten „Orphea“ nennen.

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Fünf Kanadier auf einer Gitarre

Da glaubt man, man alles gesehen. Dass einen nach den durchchoreografierten Musikclips von OK Go nichts mehr zum Staunen bringt. Und dann drei Chinesen auf dem Kontrabass fünf Kanadier auf einer Gitarre. Ich präsentiere mit offenem Mund mein neues Lieblings-Youtube-Projekt: Walk Off the Earth!

Mehr von den sechs Kanadiern gibt’s auf ihrem Youtube-Channel. Suchtpotential! (Danke, Kitty!)

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Der Weg zur Erleuchtung

Flowchart: Wie wähle ich meine Religion

Wie wähle ich meine Religion

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Untreue zahlt sich aus

Was hält einem an einen Ort? Die Atmosphäre? Die Menschen? Die Kultur? Sicher. Und die Verträge. Jetzt, wo wir die Zelte abbrechen, besteht eine der wichtigsten Punkte darin, all diese Verbindlichkeiten zu lösen – und das ist eine ganze Menge: Miete, Strom und Gas, Internet, Handy, GIS (die Daten-Falotten!), Fitnessstudio, Zeitung, Banken und Behörden.

Nun ist es ja so, dass ich der Traumvertragspartner bin. Zahle die Rechnung immer pünktlich mit Bankeinzug, bin bei Störungen sehr langmütig, manchmal les ich mir sogar die AGB durch. Und nie ist das auch nur einem meiner Vertragspartner einer Erwähnung oder einer Treueaktion wert gewesen. Jetzt ist das anders.

Jetzt, wo die Kündigungen bei den Vertragspartner eintrudeln, da entdecken sie mich als wertvollen Kunden, den sie nur ungern verlieren möchten. „Mit großem Bedauern“ nehmen sie das Ende unserer Verbindlichkeit zur Kenntnis – ob ich es mir nicht noch mal überlegen möge, betteln sie. UPC hat mir zum Beispiel drei Monate gratis Internet angeboten, nur damit ich Kunde bleibe. Und das Fitnessstudio Beer’s (das mit der Apostrophitis) bietet einen 50-Euro-Solarium-Gutschein und zehn Prozent weniger  Mitgliedsbeitrag.

Allein, es hilft nix – der Umzug ist fix (sorry, der Reim ist mir passiert). Hätte ich aber schon früher gewusst, wie sehr die Unternehmen an mir hängen, hätte ich die Verträge einfach mal gekündigt, nur um zu schauen, was sie mir fürs Bleiben anbieten. Aber immerhin hab ich was gelernt: Untreue zahlt sich aus.

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Baba, Boboville!

Fett + Zucker

Fett + Zucker

Ich hab mich schon ein bisschen dran gewöhnt: Alle paar Wochen macht in meiner unmittelbaren Nachbarschaft ein neues In-Lokal auf, sodass ich schon gar nicht mehr mit dem Ausprobieren und Testen nachkomme. Zuletzt war ich zum Beispiel zum ersten Mal im gehypten Fett + Zucker, einer Konditorei mit dem herrlichen Untertitel „Kuchen macht glücklich“. Und hab mich über die hohe Dichte von schicken Mittdreißigern gewundert, die das Lokal fluten wie Spammails den Posteingang.

Berliner Chic, schwärmen die Kommentatoren, klein, alternativ und ein bisschen queer – das „Fett + Zucker“ ist der Traum eines jeden Bobos, so wie viele andere Lokale in der Wiener Leopoldstadt, die sich rund um Karmelitermarkt in ein Boboville verwandelt. Über diese Gentrifizierung ließe sich so trefflich schimpfen, wenn ich nicht selbst ein Nutznießer dieser Entwicklung wär: Nach dem Schlendern über den Karmelitermarkt Hummus frühstücken im Tewa, mittags in der Pizza Mari‘, abends ein Saibling in der Schönen Perle, danach noch auf ein Bier ins Brendl und am nächsten Tag mit einem Matjesbrötchen von Wulfisch den Magen wieder einrichten – alles angesagte Lokale, alle keine zwei Gehminuten von meiner Haustür entfernt. Noch.

Denn ein Umzug steht ins Haus: Statt dem Wiener Boboville wohne ich bald in München. Dort gibt es auch lässige Lokale, gemütliche Viertel und gutes Bier. Aber in den Stimmen der Bobo-Freunde schwingt richtiggehend Mitleid mit, wenn ich ihnen von meinen Plänen erzähle: „Nett“ ist noch das freundlichste Adjektiv für München, fad, bieder, teuer, Schickimicki lauten die anderen.

Nun, sei’s drum. Als ich in die Substandardwohnung neben dem Karmelitermarkt gezogen bin, war der Bezirk auch noch ziemlich verschrien als heruntergekommenes Strizzi-Viertel. Vielleicht erlebt ja München demnächst auch einen solchen Imagewandel.

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Wie angelt man sich einen Zuckerberg?

Mit Licht ins neue Jahr

Mit Licht ins neue Jahr

Neujahr – das ist der Duft von Schwarzpulver in der Luft, ein angekokelter Baum vor der Haustür (danke an die Buben von der Böllerfraktion), leere Sektflaschen beim Altglascontainer. Und die Statistik von WordPress zu meinem Blog.

Dabei zeichnet sich wie im Vorjahr ein Topthema ab: Die drei meistgelesenen Artikel drehen sich um seltsame Statusupdates auf Facebook und was Obstsorten, Reiseziele oder Taschenplätze bedeuten. Dementsprechend kamen auch die meisten Benutzer über Facebook – insgesamt dreimal so viel wie im Vorjahr. Vielleicht sollte ich mal bei Mark Zuckerberg um einen Sponsorgenvertrag ansuchen.

Was mich zum Höhepunkt des jungen neuen Jahres bringt: das Neujahrsspringen-Konzert von Christoph und Lollo im Kabarett Niedermair heute Abend. Die haben ein paar gute Tipps, wie man sich an Sponsoren ranschmeißt.

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Finanzkrise als Kammerspiel

Margin Call

Margin Call

So einfach lässt sich also der Börsecrash von 2008 erklären: In EINER Firma entdeckt EIN Analyst die Anzeichen der bevorstehenden Katastrophe, worauf innerhalb EINES Tages die Weichen für den Zusammenbruch des GESAMTEN Finanzsystems gestellt werden. Das ist zumindest das Bild, das der Film „Margin Call“ vermittelt, der diese Woche in den Kinos anläuft.

Mit seinem Staraufgebot versucht der Film, die menschliche Seite der Wall Street zu zeigen – Gier, Ignoranz, blankes Entsetzen, Verzweiflung sind die Zutaten für dieses Kammerspiel. Leider sind die Charaktere äußerst platt, stereotyp und ohne Entwicklungspotenzial gezeichnet: Hier der gefeuerte Analyst, der wie Kassandra die Katastrophe prophezeit und ignoriert wird (Stanley Tucci), da der Boss, der über Leichen geht (Jeremy Irons), dort der Abteilungsleiter mit den moralischen Skrupeln, der sich letztlich breitschlagen lässt (Kevin Spacey).

Was „Margin Call“ dennoch zu einem sehenswerten Film macht, ist – neben der ästhetischen Darstellung des taumelnden Finanzsystems – die Aktualität und Brisanz des Themas: Wann schon wird ein komplexer Sachverhalt wie die Implosion eines Fantasiezahlensystems so einfach, so spannend und mit so vielen Stars erzählt? Wer aber auf neue Erkenntnisse über die Hintergründe und das Funktionieren dieses Systems hofft, wird das Kino enttäuscht verlassen.

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Die Taborstraße auf dem Weg zur Nummer eins

An Wiens zweitnervigster Kreuzung tut sich was. Nicht etwa, dass etwas gegen die langen Ampelwartzezeiten für die Fußgänger an der Ecke Taborstraße / Obere Augartenstraße getan würde, über die sich die meisten beim Online-Voting der Stadt Wien beschwert hätten. Aber die Konsumwelt hält Einzug.

Der Konzertkristall der Sängerknaben am Augartenspitz feiert Dachgleiche

Konzertkristall der Sängerknaben

Drei Jahre nach der Eröffnung der U2-Station Taborstraße feiern die Sängerknaben am nahen Augartenspitz Dachgleiche bei ihrem Konzertkristall. Bis Ende 2012 soll der Musiksaal mit seinen 380 Sitzplätzen fertiggestellt sein, und am Rohbau lässt sich schon erkennen, dass das Bauwerk zu den barocken Gebäuden des Augartenspitzes und den Gründerzeithäusern der Umgebung passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

An der zweitnervigsten Kreuzung Wiens eröffnet ein McDonald's

McDonald's an der zweitnervigsten Kreuzung Wiens

Da fügt es sich perfekt ins Gesamtbild, dass nur 20 Meter weiter, direkt bei der U-Bahnstation Taborstraße, noch heuer im Dezember eine McDonald’s-Filiale eröffnet wird. Wie die Fastfood-Kette mit Toni Mörwalds „Haubenküche“-Luxusburgern beweist, liegt ihr so wie den Sängerknaben viel an dem, was sie für österreichische Kultur halten: ein massentauglicher, leicht verdaulicher Einheitsbrei.

Die Massen werden dennoch kommen. Und mit dem zu erwartenden Urlauberbus-Verkehr und den aus der U-Bahnstation steigenden desorientierten Touristen dürfte der Taborstraße bei der nächsten Wahl Platz eins als nervigste Kreuzung Wiens gewiss sein.

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