Baba, Boboville!

Fett + Zucker

Fett + Zucker

Ich hab mich schon ein bisschen dran gewöhnt: Alle paar Wochen macht in meiner unmittelbaren Nachbarschaft ein neues In-Lokal auf, sodass ich schon gar nicht mehr mit dem Ausprobieren und Testen nachkomme. Zuletzt war ich zum Beispiel zum ersten Mal im gehypten Fett + Zucker, einer Konditorei mit dem herrlichen Untertitel „Kuchen macht glücklich“. Und hab mich über die hohe Dichte von schicken Mittdreißigern gewundert, die das Lokal fluten wie Spammails den Posteingang.

Berliner Chic, schwärmen die Kommentatoren, klein, alternativ und ein bisschen queer – das „Fett + Zucker“ ist der Traum eines jeden Bobos, so wie viele andere Lokale in der Wiener Leopoldstadt, die sich rund um Karmelitermarkt in ein Boboville verwandelt. Über diese Gentrifizierung ließe sich so trefflich schimpfen, wenn ich nicht selbst ein Nutznießer dieser Entwicklung wär: Nach dem Schlendern über den Karmelitermarkt Hummus frühstücken im Tewa, mittags in der Pizza Mari‘, abends ein Saibling in der Schönen Perle, danach noch auf ein Bier ins Brendl und am nächsten Tag mit einem Matjesbrötchen von Wulfisch den Magen wieder einrichten – alles angesagte Lokale, alle keine zwei Gehminuten von meiner Haustür entfernt. Noch.

Denn ein Umzug steht ins Haus: Statt dem Wiener Boboville wohne ich bald in München. Dort gibt es auch lässige Lokale, gemütliche Viertel und gutes Bier. Aber in den Stimmen der Bobo-Freunde schwingt richtiggehend Mitleid mit, wenn ich ihnen von meinen Plänen erzähle: „Nett“ ist noch das freundlichste Adjektiv für München, fad, bieder, teuer, Schickimicki lauten die anderen.

Nun, sei’s drum. Als ich in die Substandardwohnung neben dem Karmelitermarkt gezogen bin, war der Bezirk auch noch ziemlich verschrien als heruntergekommenes Strizzi-Viertel. Vielleicht erlebt ja München demnächst auch einen solchen Imagewandel.

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Eine Antwort zu Baba, Boboville!

  1. Pingback: Wo man München vergessen kann | Bayerei

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