Wie angelt man sich einen Zuckerberg?

Mit Licht ins neue Jahr

Mit Licht ins neue Jahr

Neujahr – das ist der Duft von Schwarzpulver in der Luft, ein angekokelter Baum vor der Haustür (danke an die Buben von der Böllerfraktion), leere Sektflaschen beim Altglascontainer. Und die Statistik von WordPress zu meinem Blog.

Dabei zeichnet sich wie im Vorjahr ein Topthema ab: Die drei meistgelesenen Artikel drehen sich um seltsame Statusupdates auf Facebook und was Obstsorten, Reiseziele oder Taschenplätze bedeuten. Dementsprechend kamen auch die meisten Benutzer über Facebook – insgesamt dreimal so viel wie im Vorjahr. Vielleicht sollte ich mal bei Mark Zuckerberg um einen Sponsorgenvertrag ansuchen.

Was mich zum Höhepunkt des jungen neuen Jahres bringt: das Neujahrsspringen-Konzert von Christoph und Lollo im Kabarett Niedermair heute Abend. Die haben ein paar gute Tipps, wie man sich an Sponsoren ranschmeißt.

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Finanzkrise als Kammerspiel

Margin Call

Margin Call

So einfach lässt sich also der Börsecrash von 2008 erklären: In EINER Firma entdeckt EIN Analyst die Anzeichen der bevorstehenden Katastrophe, worauf innerhalb EINES Tages die Weichen für den Zusammenbruch des GESAMTEN Finanzsystems gestellt werden. Das ist zumindest das Bild, das der Film „Margin Call“ vermittelt, der diese Woche in den Kinos anläuft.

Mit seinem Staraufgebot versucht der Film, die menschliche Seite der Wall Street zu zeigen – Gier, Ignoranz, blankes Entsetzen, Verzweiflung sind die Zutaten für dieses Kammerspiel. Leider sind die Charaktere äußerst platt, stereotyp und ohne Entwicklungspotenzial gezeichnet: Hier der gefeuerte Analyst, der wie Kassandra die Katastrophe prophezeit und ignoriert wird (Stanley Tucci), da der Boss, der über Leichen geht (Jeremy Irons), dort der Abteilungsleiter mit den moralischen Skrupeln, der sich letztlich breitschlagen lässt (Kevin Spacey).

Was „Margin Call“ dennoch zu einem sehenswerten Film macht, ist – neben der ästhetischen Darstellung des taumelnden Finanzsystems – die Aktualität und Brisanz des Themas: Wann schon wird ein komplexer Sachverhalt wie die Implosion eines Fantasiezahlensystems so einfach, so spannend und mit so vielen Stars erzählt? Wer aber auf neue Erkenntnisse über die Hintergründe und das Funktionieren dieses Systems hofft, wird das Kino enttäuscht verlassen.

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Die Taborstraße auf dem Weg zur Nummer eins

An Wiens zweitnervigster Kreuzung tut sich was. Nicht etwa, dass etwas gegen die langen Ampelwartzezeiten für die Fußgänger an der Ecke Taborstraße / Obere Augartenstraße getan würde, über die sich die meisten beim Online-Voting der Stadt Wien beschwert hätten. Aber die Konsumwelt hält Einzug.

Der Konzertkristall der Sängerknaben am Augartenspitz feiert Dachgleiche

Konzertkristall der Sängerknaben

Drei Jahre nach der Eröffnung der U2-Station Taborstraße feiern die Sängerknaben am nahen Augartenspitz Dachgleiche bei ihrem Konzertkristall. Bis Ende 2012 soll der Musiksaal mit seinen 380 Sitzplätzen fertiggestellt sein, und am Rohbau lässt sich schon erkennen, dass das Bauwerk zu den barocken Gebäuden des Augartenspitzes und den Gründerzeithäusern der Umgebung passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

An der zweitnervigsten Kreuzung Wiens eröffnet ein McDonald's

McDonald's an der zweitnervigsten Kreuzung Wiens

Da fügt es sich perfekt ins Gesamtbild, dass nur 20 Meter weiter, direkt bei der U-Bahnstation Taborstraße, noch heuer im Dezember eine McDonald’s-Filiale eröffnet wird. Wie die Fastfood-Kette mit Toni Mörwalds „Haubenküche“-Luxusburgern beweist, liegt ihr so wie den Sängerknaben viel an dem, was sie für österreichische Kultur halten: ein massentauglicher, leicht verdaulicher Einheitsbrei.

Die Massen werden dennoch kommen. Und mit dem zu erwartenden Urlauberbus-Verkehr und den aus der U-Bahnstation steigenden desorientierten Touristen dürfte der Taborstraße bei der nächsten Wahl Platz eins als nervigste Kreuzung Wiens gewiss sein.

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Große Reise auf Facebook

Mein halber Freundeskreis geht ins Ausland: Auf Facebook verkünden Frauen, dass sie die nächsten Monate in Miami, St. Petersburg oder Mexiko verbringen. Aber mit konkreten Reiseplänen hat das nichts zu tun.

Denn auch bei dieser Aktion steckt ein Code dahinter: Reiseziel und -dauer ergeben sich aus dem Geburtstag der Urheberin. Wenn zum Beispiel eine Userin am 17. Juni Geburtstag hat, dann schreibt sie: „Ich werde 17 Monate in St. Petersburg leben.“

Hintergrund ist einmal mehr der Gedanke, „das Bewusstsein für den Brustkrebs zu erhöhen“, wie es in dem Rundschreiben auf Facebook heißt: „Könnt ihr euch noch daran erinnern, als wir alle einen Status mit der Farbe unserer BHs oder mit dem Platz, wo wir unsere Taschen am liebsten hinstellen, gepostet haben?“ Ja, ich kann mich erinnern, und auch noch an die Aktion mit den Fruchtsorten, die für den Beziehungsstatus stehen. „Lasst die Männer raten und uns sehen, ob es wieder Schlagzeilen macht!“

Das mit dem Raten hat diesmal wieder ganz gut funktioniert – einmal mehr aber auch über den Sinn: Ich kenne noch keine Frau, die wegen dieser Facebook-Aktionen zur Vorsorgeuntersuchung gegangen wäre. Dasselbe Rechtfertigungsproblem hat aber auch der Weltbrustkrebstag am 1. Oktober – mir wäre nicht bekannt, dass sich Frauenärzte am 2. Oktober kaum vor Anfragen retten können.

Wie dem auch sei: Wer den Geburtstag von Facebook-Freundinnen entschlüsseln will – hier ist die Liste der Monate und was sie bedeuten:

Jänner – Mexiko
Februar – London
März – Miami
April – Dominikanische Republik
Mai – Frankreich
Juni – St. Petersburg
Juli – Österreich
August – Deutschland
September – New York
Oktober – Amsterdam
November – Las Vegas
Dezember – Kolumbien

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Auf den Spuren der Mauren

Marokko - Minztee

Marokko - Minztee

Laut, staubig, aufdringlich – die ersten Schritte als Europäer in Marokko sind ein Schock. Noch bevor man in die bunte Mischung aus Souqs (Märkten), Medersas (Koranschulen) und Palästen eintauchen kann, stellt sich die dringliche Frage: Wie komm ich an Körper und Gemüt unbeschadet an den Taxifahrern, Stadtführern und Restaurant-Keilern vorbei, die alle gleichzeitig um mich wetteifern? Das heiße Wetter (35 Grad im Oktober) und das Gassengewirr abseits jeder Stadtplanung tun das Übrige, um an meinem Nervenkostüm zu zerren.

Drei Wochen war ich auf den Spuren der Mauren unterwegs: angefangen in Sevilla, der Hauptstadt von Andalusien (früher el-Andalus), über die Meerenge von Gibraltar in die alte Königsstadt Fez und nach einem Abstecher an den Atlantik bei Essaouira schließlich zur „Perle des Südens“, Marrakesch. Mehr als 2000 Kilometer in Zügen, Bussen und auf Fähren. Und etliche mehr zu Fuß, weil man marokkanische Städte prinzipiell nur so entdecken kann.

Sevilla - Botschaftersaal im Alcazar

Sevilla - Botschaftersaal im Alcazar

Andalusien hat sich nicht nur wegen der geografischen Nähe und des ähnlichen Klimas als perfekter Ausgangspunkt erwiesen: Die Architektur im südlichen Spanien ist stark gezeichnet von 700 Jahren muslimischer Herrschaft. Die Giralda, der Glockenturm der Kathedrale von Sevilla, ist ein umgebautes Minarett, die Mezquita in Córdoba war früher eine Moschee, und die Paläste (Alcazar) der christlichen Herrscher wurden von muslimischen Mudejar-Architekten errichtet. Geometrische Muster, Hufeisenbögen, Patios (Innengärten) und Mosaike bieten einen Vorgeschmack auf den Baustil der Sehenswürdigkeiten jenseits der Meerenge von Gibraltar.

Marrakesch - Katze im Saadiergrab

Marrakesch - Katze im Saadiergrab

Allerdings sind die Denkmäler in Marokko mitunter in miserablem Zustand: Tauben und Störche nisten in Königsgräbern, Katzen streunen durch Paläste, deren Wände zerbröseln. Aber das, was man als Europäer unter Sehenswürdigkeit versteht, spielt in Marokko nur eine Nebenrolle – die Höhepunkte sind das Stadtleben in den engen Gassen und auf den Souqs. Die mittelalterliche Medina (Altstadt) von Fez mit ihren verwinkelten Gassen verurteilt jeden Orientierungsversuch zum Scheitern. Esel sind die einzigen Transportmittel, die sich zwischen den Standln der Märkte durchzwängen können. Leder und Keramik stapeln sich in den Geschäften, in denen die Touristen schnell zum „Mon Ami!“ der Händler werden.

Marrakesch - Artisten am Djemaa al Fna

Marrakesch - Artisten am Djemaa al Fna

Wesentlich offener ist im Vergleich dazu Marrakesch- nicht nur was die Breite der Straßen, sondern auch die Mentalität der Menschen betrifft: Anstelle der strengen arabischen Religiösität in Fez, wo die Koranschule Bou Inania das Leben bestimmt, tritt berberische Musik und Mystik. Das Lebensgefühl von Marrakesch erspürt man am besten am Hauptplatz, dem Djemaa al Fna: Akrobaten springen durch die Lüfte, Gnawa-Musiker wirbeln ihre Köpfe, Greise erzählen Geschichten (das ist zwar immaterielles Weltkulturerbe, aber leider nur in arabisch) und Schlangenbeschwörer und Affenzähmer wollen ein paar Dhiram für ein Foto.

Das alles wird einem schnell mal zu viel. Zum Glück gibt es an jeder Ecke ein kleines Lokal, das Thé à la Menthe (Minztee) anbietet. Von schattigen Terrassen aus lässt sich das bunte Gewirr gemütlich beobachten und mit einem Schluck des marokkanischen Nationalgetränks der Kulturschock langsam verdauen.

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Willkommen in der BlaBla-freien Zone!

BlaBla

BlaBla

Kommunikation mit der Öffentlichkeit ist eine Kunst, die am wenigsten von Profis beherrscht wird. Das ist das Ergebnis eines kurzen Experiments mit dem BlaBlaMeter, einem Online-Spielzeug, das Texte auf Phrasen, leere Worthülsen und heiße Luft abklopft.

Über das Portal OTS.at habe ich Presseaussendungen aller fünf Parlamentsparteien ausgewählt, die Ergebnisse schwanken zwischen Bullshit-Index 0,1 (Ihr Text zeigt nur geringe Hinweise auf ‘Bullshit’-Deutsch.), 0,33 (Ihr Text zeigt schon erste Anzeichen heißer Luft. Für Werbe oder PR-Sprache ist das noch ein guter Wert, bei höheren Ansprüchen sollten Sie vielleicht noch ein wenig daran feilen.) und 0,6 (Sie müssen PR-Profi, Politiker, Unternehmensberater oder Universitätsprofessor sein! Sollten Sie eine echte Botschaft transportieren wollen, so erscheint es fraglich, ob diese Ihre Leser auch erreicht.)

Wie gut, dass es Inseln der Seriosität, Sprachgewalt und Sinnstiftung gibt: Die Artikel dieses Blogs sind dem BlaBlaMeter zufolge allesamt im Bullshit-freien Bereich. Juhui!

Ende der unentgeltlichen Werbeeinschaltung.

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Russkij Festschmaus

Neulich in der Casa Watzellicht: Russisches Abendessen für товарищ Andi. Mit борщ (Borschtsch), пироги (Piroggi) und черепаха (Tscherepacha-Kuchen). Und natürlich viel водка (Wodka). за здоровье!

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Wenn Bienen nicht zählen können

Weltstadthaus

Weltstadthaus

Die Hitze ist ein Hund: Seit zwei Wochen versuch ich, einen Beitrag über das neue Weltstadthaus von Peek & Cloppenburg in der Wiener Kärntner Straße zu schreiben. Aber da mein Gehirn ab 25 Grad nur noch eingeschränkt zu funktionieren scheint, kann ich lediglich folgenden Lückentext anbieten:

Blabla …  Einkaufstempel … Massenauflauf … Inszenierung von Exklusivität mit Bodyguards im Anzug … Gratis-Sekt und Konfekt … Kleidung für Markenschweine … Architektur, die aussieht wie Waben von Bienen, die nur bis vier zählen können.

Wer diese Gedankenfetzen sinnvoll zu einem Gesamtkunstwerk zusammensetzen kann und unter dem Artikel als Kommentar postet, gewinnt einen goldenen Daumen!

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Selbstversuch mit Seneca in St. Hanappi

Wenn die Menge im Stadion tobt, dann kann sich auch kein Sokrates ihrem Einfluss entziehen, warnt der römische Philisoph Seneca in seiner „Gefahr der Vermassung“ vor der Auflösung des Ichs im Taumel der kollektiven Emotionen. Aber weil die Warnung auch schon 2000 Jahre auf dem Buckel hat und ich zum Selbstversuch tendiere, habe ich mich von meinem Neffen zu meinem ersten Stadionbesuch seit 15 Jahren überreden lassen – ausgerechnet zum ersten Rapid-Spiel vor Publikum nach dem Platzsturm im Wiener Derby im Mai.

Nun bin ich nicht gerade ein Fan des österreichischen Fußballs und dementsprechend powidl war mir das Ergebnis. Die Stimmung wollte ich miterleben, und davon hab ich in St. Hanappi mehr mitbekommen, als ich wollte. Schon beim Eingang wurde mir ein wirres Pamphlet der vereinten Fanszene „United We Stand in die Hand gedrückt: Man fühle sich kollektiv beleidigt wegen der Distanzierung des Clubs von den Platzstürmern. Die Westtribüne, aus der die Platzstürmer gekommen sind, hat das ganze Spiel hindurch aus Protest keinen Laut von sich gegeben, außer zum Einklatschen der Rapid-Viertelstunde. Dafür waren die anderen Fans umso lauter: „Hängt den Bimbo“- und „Schiri, du schwarze Sau“-Rufe waren die Glanzlichter der vielbeschworenen Stadion-Atmosphäre.

Die Aggression, der Frust und die Spannung der Zuschauer ist spurlos an mir vorübergegangen, dazu bin ich wohl zu sehr Kopfmensch – und wohl zu wenig Rapid-Fan. Entgegen der Warnung von Seneca hat allerdings auch mein Ich das Eintauchen in die Masse unbeschadet überstanden. Vielleicht hätte er auch mal einen Selbstversuch im Amphitheater machen sollen, anstatt aus der sicheren Distanz des elfenbeinernen Turmes der Philosophie über Stadionbesucher zu schimpfen.

Wie dem auch sei, unbefriedigend war der Stadionbesuch nicht nur für mich: Die Partie ist mit einem mauen Null zu Null ausgegangen.

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Opfer von GIS und Anonymous

AnonymousDie GIS hat mir heute eine E-Mail geschickt, die ich schon seit Tagen erwartet habe: „Am Freitag, den (sic!) 22. Juli 2011, kam es zu einem Hackerangriff auf den Webserver der GIS, zu dem sich die Internetaktivisten von „AnonAustria“ bekannt haben (…) Leider sind von diesem Angriff auch Ihre Daten betroffen.

Ganz abgesehen davon, dass unbekannte Hacker meine Kontodaten haben, bin ich vor allem entsetzt darüber, wie dilettantisch die Sicherheitsvorkehrungen bei den Servern der GIS sein müssen: Nach einem Wohnungswechsel im Sommer 2008 hab ich meine Daten in einem Online-Formular meine Daten geändert. Drei Jahre später liegen die Daten nach Angaben von Anonymous noch immer unverschlüsselt auf dem Server*.

Der Trost, den die GIS in der Mail anbietet, ist gering: „Im Falle einer illegalen Transaktion auf Ihrem Konto können Sie 13 Monate ab Abbuchungstag  den betroffenen Betrag von Ihrer Bank rückbuchen lassen.“ Man werde die IT-Sicherheit verbessern, versichern die Geschäftsführer Jürgen Menedetter und Johann Simon. Und wenn ich noch weitere Fragen hätte, könnte ich mich zu den üblichen Bürozeiten an die kostenpflichtige Rufnummer 0810 00 10 80 wenden.

Difficilis est satiram non scribere.

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