Integration für Schwabos

Dass Integration ein heikles Thema ist, weiß man nicht erst seit den – sagen wir mal – umstrittenen Aussagen von Thilo Sarazzin und dem türkischen Botschafter Kadri Ecved Teczan. Nun nehmen sich gleich zwei Kinofilme der Thematik an, mit ziemlich unterschiedlichen Ansätzen: „Almanya“ zeichnet das fröhliche Multikulti-Image der Linken nach, „Schwarzkopf“ bedient auf den ersten Blick das düstere Ausländerghetto-Klischee der Rechten.

SchwarzkopfDer Wiener Rapper Nazar ist ein „Schwarzkopf“ (also Ausländer), der eigenen Worten zufolge auf den Straßen von Favoriten aufgewachsen ist („Die Straße ist ein Arsch mit Ohren“) und sich mit mit expliziten Inhalten (von Kickbox bis zu Dingen, die er mit deiner Mutter machen will) und einem Anti-HC-Rap eine stabile Fan-Basis aufgebaut hat. Die Doku in Hiphop-Video-Ästhetik (Schulterkamera, ständig wechselnde Tiefenschärfe) zeigt Jugendliche mit dunklem Haar und rollendem R und überrascht vor allem mit der Biederkeit der Protagonisten: Nazars Wohnung sieht aus wie aus dem Ikea-Katalog, und alle Ghettokinder träumen von Auto, Wohnung, Job und Frau (die in der Doku über die Kultur der Bruderküsser kaum vorkommen).

Almanya„Almanya“ ist hingegen eine Migrationsgeschichte als Wohlfühlkomödie: Türkische Gastarbeiterfamilie kommt nach Deutschland und integriert sich perfekt (inklusive deutscher Sprache, deutschen Partnern und deutscher Staatsbürgerschaft), bis sie selbst nicht mehr wissen, ob sie Deutsche oder Türken sind. Nach 45 Jahren machen sie einen gemeinsamen Urlaub in der Türkei und der Film verwandelt sich in einen Roadmovie a la „Little Miss Sunshine“ (nur weitaus weniger leichtfüßig und absurd).

So unterschiedlich die beiden Filme auch sind, sie richten an sich an das gleiche Zielpublikum: an Schwabos, wie deutschsprachige Einheimische etwas abschätzig im Migrantensprech genannt werden. Und als solcher hab ich beide Filme zwar nicht aufschlussreich, aber zumindest amüsant gefunden.

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Eine Antwort zu Integration für Schwabos

  1. Katherina Lochmann schreibt:

    „neuer deutscher heimatfilm“

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