Wiener Gschichtldrucker

Gschichtldrucker im Wiener Wahlkampf

Gschichtldrucker im Wiener Wahlkampf

Es wahlkampfelt in Wien, mit all dem üblichen Geschenkkrimskrams (Kugelschreiber, Feuerzeug, Kondome, …). Neu ist allerdings, dass zwei Parteien ganz offen dazu stehen, dass sie Gschichtln verzählen. Während die SPÖ auf einer Hörspiel-CD von aktuellen Autoren (z.B. Lukas Resetarits) ein Hohelied auf den Wiener Schmäh anstimmen lässt (hat sie ja auch schon bei den „Haderer für Häupl“-Comics gemacht), reaktiviert die FPÖ in ihren „Sagen aus Wien“ den allseits beliebten HC-Man: Diesmal kämpft er nicht gegen raffgierige EU-Schweine, sondern reitet in schimmernd blauer Rüstung gegen die Türken vor Wien.

Die Sagen sind dabei nicht das Problem – die Texte kommen mir aus diversen Büchern bekannt vor, vielleicht sollte mal wer das Copyright checken – sondern die Illustrationen: Häupl als betrunkener Türkenfreund, die Grünen als Kifferpartie, Türken als grüngesichtige Barbaren, barbusige Donauweibchen, die von HC schwärmen – der FPÖ ist wirklich kein Klischee zu blöd und kein Kalauer zu billig. Und dann ist da natürlich der Bursch, der vom HC-Man dazu aufgestachelt wird, mit der Steinschleuder dem „Mustafa ane aufzubrennen“ – eine strafrechtlich relevante Verhetzung, finden die Grünen.

Mal ganz abgesehen davon, dass es ein erbärmliches Zeichen ist, die Türkenbelagerung von 1683 für eine durchaus notwendige Debatte über den Umgang mit Zuwanderung und Islam zu missbrauchen: Die FPÖ muss schon ziemlich von der eigenen Niederlage beim selbst ausgerufenen „Duell um Wien“ überzeugt sein, wenn man mit einem beleidigenden Rundumschlag nachhaltig alle Brücken zu den anderen Parteien abbrennt. Und wenn am Wahltag die Mitbewerber eine Koalition verweigern, dann sagt das Schmuddelkind trotzig: „Ich wollt eh nicht mit euch spielen“ – und flüchtet in seine bunte Fabelwelt mit blauen Supermännern, hinterfotzigen Sozis und schmachtenden Nixen.

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