Durch die Augen des weißen Mannes

Disgrace - Schande

Disgrace - Schande

Während alle Welt Südafrika derzeit hauptsächlich als Austragungsort der Fußball-WM wahrnimmt, bietet das Kino einen anderen Zugang zu dem Land: Der Film Disgrace (Schande) nach einer Romanvorlage von J. M. Coetzee erzählt von einem Literaturprofessor (John Malkovich) auf Casanovas Spuren, bis seine Tochter von schwarzen Einbrecher vergewaltigt und er dadurch geläutert wird. Diese Handlung dient als Gerüst zur Darstellung des Wandels in der südafrikanischen Gesellschaft nach dem Ende der Apartheid, der steigenden Kriminalität, des Verlustes der weißen Hegemonie – das alles erzählt aus der Sicht eines weißen Mannes.

16 Jahre nach dem Ende der Apartheid dominiert in südafrikanischen Filmen noch immer die Perspektive der Weißen: Bei District 9, dem hochmotivierten und leider verhunzten Streifen über Außerirdische, die in Johannesburg gestrandet sind (mehr dazu hier), ist der Protagonist Wikus van de Merwe natürlich weiß. Auch bei nicht-südafrikanischen Filmen wie Blood Diamond, Last King of Scotland und Albert Schweitzer ist die Identifikationsfigur der Weiße, der in das Herz der Finsternis eintaucht und angesichts der Wilden (also der Schwarzen) und der Hilflosen (ebenfalls der Schwarzen) erschaudert.

Positive Ausnahme in dieser Serie ist der Film Invictus, der von Präsident Nelson Mandelas (in der Rolle: Morgan Freeman) schwieriger Aufgabe erzählt, die schwarze und weiße Bevölkerung Südafrikas nach dem Ende der Apartheid zusammenzubringen – und dem dies mithilfe des mehrheitlich weißen Rugby-Teams gelingt. In diesem Film (des weißen amerikanischen Regisseurs Clint Eastwood) treten Schwarze nicht (nur) als Opfer und Projektionsflächen europäischer Klischees auf, sondern als handelnde und sich wandelnde Akteure – davon sollte mehr in den Kinos zu sehen sein!

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