Mein großer Hatscher auf dem kleinen Jakobsweg

Jakobsweg

Jakobsweg

Ein Kinderspiel für den Orientierungssinn und eine Herkulesaufgabe für die Konditon: Der österreichische Jakobsweg zwischen Stift Göttweig und Stift Melk ist dankenswerterweise mit Marterl, Kreuzen und Wegweisern gut markiert, aber wegen seiner Länge von knapp 50 Kilometern und der in Summe 1000 Meter Höhenunterschied ein ziemlicher Hatscher. Immerhin habe ich bei der zweitägigen Wanderung neue Seite an meinem Körper entdeckt: Wer hätte gedacht, dass man auch im Fußgewölbe einen Muskelkater haben kann?

Aber nicht nur wegen der anatomischen Erkenntnisse war die Wanderung durch die Wachau und den Dunkelsteinerwald die Mühen wert:

  • Meditativ war die Einsamkeit in den endlosen Wäldern, in denen über Kilometer der Weg und seine Markierungen die einzigen Hinweise auf die Zivilisation waren – mit dem Nachteil, dass es auch keine Brunnen oder Gasthäuser gegeben hat, wo man seine Wasservorräte auffüllen hätte können.
  • Kulinarisch war es eine Reise ins vorige Jahrhundert: In den wenigen Wirtshäusern war meist die gesamte Inneneinrichtung (von den Tischen über die Toiletten bis zum Personal) noch orginal aus den 1960ern. Schade, dass wegen der Jahreszeit der lokale Grüne Veltliner nicht auf unserem Menüplan stand.
  • Kulturelle Höhepunkte waren die zwei barocken Benediktinerstifte Göttweig und Melk, die als Anfangs- und Endpunkt den Rahmen für die Wanderung durch das Unesco-Welterbe Wachau bildeten.
  • Historische Spielplätze waren die römische Limesstraße und vor allem die mittelalterliche Ruine Aggstein, die hoch über der Donau auf einem Felsen thront und mit ihren Raubrittergeschichten zu einer Reise in die kindliche Legoritter-Fantasiewelt entführt. Interessant auch die Erkenntnis, dass ganz Österreich von einem Netz von Pilgerwegen durchsetzt ist.
  • Biologisches Neuland waren die Innenhof-Katzen, die Baumschlangen und das Elend-Thier mit Helikoptergeweih.

Einen offiziellen Reisebericht gibt es hier.

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