Wenn Pharaonen im Sarkophag rotieren

Admiral Casino

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Den Pharaonen hätte bei ihrem Faible für Protz und Prunk das große Luxor-Casino in Las Vegas sicher gefallen. Was sie vom kleinen Admiral Casino im Wiener Prater mit seinem falschen Marmor, vergoldeten Messingstatuen und pseudo-altägyptischem Dekor gehalten hätten, kann man sich nur ausmalen. Das ist dem Betreiber, dem Novomatic-Konzern, aber auch herzlich egal, solange die (Früh-)Pensionisten und die (meist asiatischen) Touristen weiterhin in Massen ins Admiral Casino kommen, um ihr Geld an den 500 Spielautomaten zu verzocken.

50 Cent kostet hier ein Spiel, die Automaten mit Spielen wie „Book of Ra“, „Lucky Lady Charm“ oder „Lord of the Ocean“ (der Name ist vollkommen egal, nur beim Layout unterscheiden sich die Automaten) schlucken einzelne Münzen und auch große Geldscheine. Beim Selbstversuch an drei unterschiedlichen Automaten habe ich in der ersten Runde immer einen kleinen Betrag gewonnen (Glücksgefühl, Motivation!) und anschließend meinen Einsatz nach und nach verspielt. Selbst wenn ich gleich nach dem anfänglichen Gewinn aufgehört habe, war der Automat geizig und hat nur das künstliche Klimpern von Münzen und ein Ticket ausgespuckt – mit dem Zettel muss man zur Kasse, wo man schließlich Bares erhält.

Beklemmend ist die Monotonie der Spiele: Eingelullt von den blinkenden Lichtern und dem Gedudel der Automaten drücken die Glücksritter mit stierem Blick den immer gleichen Knopf und führen in automatisierter Regelmäßigkeit neue Geldscheine in den Automaten ein, während ihnen Kellner in glitzernden Uniform gratis Getränke bringen. Dunkel gekleidete Aufpasser und unzählige Kameras an der Decke überwachen die Gänge – zumindest die Kontrolle funktioniert hier besser als bei den Spielautomaten in den Hinterzimmern von schmuddligen Cafés (die ebenfalls von Novomatic aufgestellt werden).

Wenn nun dieser Tage die Novelle des Glücksspielgesetzes in die Endrunde geht, wird der Gewinn des gut mit der Politik vernetzten Novomatic-Konzerns weiter steigen: Erstens wird der Höchsteinsatz pro Spiel auf 5 Euro erhöht und zweitens kann der Konzern die Lizenzen für zwei neue Casinos bekommen, bei deren Anblick die Pharaonen erneut in ihrem Sarkophag rotieren werden.

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