Schwarztee und Schuhschmäh am Bosporus

Istanbul: Cay am Bosporus

Istanbul: Cay am Bosporus

Mit einem Çay in der Hand beobachte ich die Fischerboote, Fähren und Containerschiffe, die am Bosporus vorbeischippern – ein notwendiges Ritual der Ruhe in Istanbul, der Millionenmetropole an der Nahtstelle zwischen Europa und Asien, zwischen Orient und Okzident, zwischen Antike und Moderne, noch dazu die Europäische Kulturhauptstadt 2010. Es gibt also genug Impressionen, die man am besten mit einem türkischen Schwarztee verdaut.

Gegensätze ziehen sich durch diese Stadt und sorgen für spannende Brüche: Ganzkörperschleier trifft auf Minirock, Handy-Kamera auf Wasserpfeife, gegenüber der Hagia Sophia, der ehemals größten Kirche der Welt, ist die gewaltige Blaue Moschee, und keine zehn Minuten von diesem touristischen Epizentrum entfernt spielen die Kinder auf der Straße, während ihre Mütter in den windschiefen Holzbaracken daneben das Abendessen zubereiten.

Aber der Kontakt mit den Einheimischen beschränkt sich meist auf solche zufälligen Beobachtungen. Wie in vielen anderen Großstädten ist man als Tourist in Istanbul still geduldet oder zum Freiwild erklärt, dem man ein paar Lira aus der Tasche ziehen kann. Besonders dreist sind dabei die Schuhputzer: Ich schlendere gemütlich eine Straße entlang, als ein vor mir gehender Schuhputzer seine Bürste verliert. Natürlich hebe ich das Werkzeug auf und reiche es ihm, und er deutet unter tausendfachem „Thank you“ auf seinen Putzschemel. Bei meinen Sneakers gibt es zwar nur wenig zu putzen, aber als er fertig ist, verlangt er doch tatsächlich zwei Euro – pro Schuh! Um eine lange Diskussion zu vermeiden, zahle ich ihm einen kleinen Geldbetrag, und denke, die Sache sei erledigt – mitnichten.

Denn zwei Tage später verliert ein anderer Schuhputzer „zufällig“ direkt vor meiner Nase seine Bürste. Ich hebe sie auf, lehne aber sein Angebot, meine Schuhe „gratis“ zu putzen, dankend ab. Am dritten Schuhputzer, der seine Bürste vor meinen Zehen verliert, gehe ich einfach vorbei. Es dauert nicht lang, bis er seinen „Verlust“ bemerkt und sein Werkzeug selbst aufklaubt. Naja, immerhin sind meine Schuhe jetzt sauber und nicht von einem Rudel wilder Affen gefladert worden.

Fotos gibt es wie gewohnt hier.

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