Meine Stadtbürgerpflicht

„Wien will’s wissen“: Mit einem Aufwand und einer Penetranz wie sonst nur im Wahlkampf weist die Wiener Stadtregierung auf die seit heute laufende Volksbefragung hin. Ein Wahlzettel mit den fünf Fragen (inklusive Grammatikfehler bei Frage zwei) ist schon vor zwei Wochen im Postkastl gelandet, und als braver Stadtbürger hab ich meinen freien Vormittag gleich für eine Stimmabgabe im Magistratischen Bezirksamt genutzt. Eine gute Entscheidung.

Wann sonst hat man die Gelegenheit, magistratische Mitarbeiter in ihrem Element zu erleben? Gleich beim Eintreten verabschiedet sich einer der beiden Wahlhelfer von einem Bürger mit „Herzlichen Dank, Herr Doktor!“ – das „Gschamster Diener!“ kann er sich grad noch verkneifen. An mich wendet er sich mit „Stimmzettell und Oosweis, bitteee-dankeee!“ und weist dann auf eine kleine Wahlzelle, wo ich den Fragebogen ausfülle. Kurz bin ich versucht, auf die fünf Suggestivfragen ähnlich zu antworten wie Klaus Werner Lobo – dann überleg ich es mir aber doch anders und gebe den ordentlich ausgefüllten Zettel ins Kuvert.

Auf dem Weg zur Urne beobachte ich den Wahlhelfer, wie er das Kuvert eines Bürgers mit der Faust zustempelt, „Soo macht ma daas bei da Poost.“ Alles klar. Jetzt bleibt nur noch die Frage, warum die SPÖ-Stadtregierung trotz absoluter Mehrheit nicht in der Lage ist, eigene Entscheidungen zu treffen, und stattdessen auf eine populistische Volksbefragung zurückgreift.

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