Freunde abzocken per Lotto-SMS

Seit 22. Jänner ist der heimische Glücksspielmarkt um „eine kleine Sensation reicher“, verkündet der SMS-Glücksspielanbieter Lottelo großspurig auf seiner Homepage. In einer groß angelegten Plakat-, Fernseh- und Internetkampagne über Facebook und Youtube wird das simple Spielprinzip beworben: Einfach eine SMS mit der Handynummer eines Freundes an die angegebene Mehrwertnummer schicken, und schon nimmt der Empfänger an der Verlosung von 1 Million Euro teil. Kostet ja nur 70 Cent pro Spiel.

LotteloDer offizielle Spielgedanke, wie er in der Presseaussendung zum Start formuliert wird: „Lottelo ist so konzipiert, dass allein die Teilnahme ein Gewinn ist. Denn es gibt bei Lottelo immer jemanden, der sich freut, dass ein anderer an einem (sic!) gedacht hat. Hier wird auch unser Grundgedanken (sic!) deutlich: Wir setzen auf den sozialen Charakter des Spiels.“

Nachdem Unternehmer in den seltensten Fällen rein aus sozialer Wohltätigkeit ein Produkt auf den Markt werden, darf auch in diesem Fall mit ruhigem Gewissen angenommen werden: Ziel des Spiels ist, Geld mit der Handygeneration von zehn bis 25 Jahren zu verdienen, die ihr Taschengeld ohnedies mit Klingeltönen, Handyspielen und angeblichen Nacktscannern verpulvern. Nur dass sie diesmal die Nummer eines Freundes einem Unternehmen ausliefern, das damit bequem Kundendaten sammeln kann. Und gleichzeitig emotionalen Druck ausüben, dass die Empfänger „zurückspielen“, also die Nummer des Senders einreichen.

Das Finanzministerium prüft derzeit noch, ob diese Form von Glücksspiel überhaupt zulässig ist. Lottelo könnte aber nicht nur über den streng reglementierten heimischen Glücksspielmarkt stolpern, sondern auch über seine (durchaus gelungene) Internetkampagne, wo jeder seinen Senf dazu abgeben kann. Bis jetzt (Stand: Sonntag, 31. Jänner, 11:30) gibt es nur zwei Reviews auf der Facebook-Seite von Lottelo: User Helmut Hauswirth hat das Spiel ausprobiert, das ihm 70 Cent verrechnet hat, obwohl es nicht funktioniert hat. „Mein tip, Laßt die Finger davon, is der selbe Scheiß wie NEUN Live oder so“. User Si Yani stimmt ihm zu: „Das ist die volle Abzocke“.

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8 Antworten zu Freunde abzocken per Lotto-SMS

  1. Daniel schreibt:

    Hallo! Als Gründer von LOTTELO würde ich gern Stellung beziehen. Wenn ich LOTTELO für einen Freund spiele zahle ich und mein Freund kann gewinnen ohne zu bezahlen daher verstehe ich den Titel nicht–wenn werde ich ‚abgezockt‘ und nicht meine Freunde. LOTTELO ist ein Unternehmen und natürlich bestrebt Gewinne zu machen. Trotzdem bin ich der Überzeugung, dass es sympathischer ist, einem Freund die Chance auf einen Gewinn zu geben bzw. von einem Freund die Chance auf einen Gewinn zu erhalten als wenn jeder für sich spielt in der Hoffnung auf eigenen Gewinn.

    Ich kenne Herrn Hauswirth nicht aber wenn er sich an hilfe@lottelo.at wendet bin ich sicher, dass wir die Sache leicht aufklären können.

    • belicht schreibt:

      Geschätzter Herr Goldscheider (sofern Sie Daniel Goldscheider, der Gründer von Lottelo, sind)

      herzlichen Dank für Ihre Antwort! So wie Ihnen ist mir Herr Hauswirth persönlich nicht bekannt, Fakt ist aber, dass das Glücksspiel und seine Spielart für viele Fragen im Internet gesorgt und mittlerweile auch die Aufmerksamkeit des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) erregt hat, der Lottelo für „gefährlich“ hält – siehe http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/536780/index.do .

      Mit freundlichen Grüßen,

      B. Licht

  2. Daniel schreibt:

    Das aendert nichts daran, dass wir nie Freunde ‚abzocken‘.

    • belicht schreibt:

      Ich habe nicht behauptet, dass Sie die Freunde abzocken. Aber in Ihrer Werbung beschwören Sie den „sozialen Charakter“ des Glücksspiels, das Schenken und beschenkt Werden, was meiner Meinung nach als Ausrede für eine gefährliche Sucht dienen kann – immerhin sind 30.000 bis 60.000 Österreicher spielsüchtig.

      Ich bin kein Fan des großen und kleinen Glücksspiels (wie sie unter https://luxxx.wordpress.com/2009/11/09/suchtzucht/ nachlesen können) und daher auch kein Freund ihrer Spielpraxis.

    • Bakunin schreibt:

      Natürlich zocken sie die leute ab. denn die gewinnchance ist prakisch null. sie kassieren jede menge geld von den sms und brauchen nur ganz selten etwas auszahlen.
      gegen ihr abzockespiel ist lotto ja richtig ehrlich!
      noch dazu ist in österreich, wie sie sicher wissen, privates glückspiel verboten.
      ich hoffe, ihr spiel wird behördlicherseits eingestellt.

      • Daniel schreibt:

        Die Gewinnchance ist zwar mit 1:12m kleiner als bei 6 aus 45 (mit 1:8.145.000) aber die Teilnahme kostet auch nur 70 Cent statt 1 Euro (oder 2.30 Euro mit Joker).

        Aber darum geht es bei LOTTELO gar nicht. Im Vordergrund steht die Frage, ob sich mein Freund freut, wenn ich für ihn spiele. Wenn ja dann ist das alleine vielleicht 70 Cent wert. Wenn nein, dann war es das Spiel nicht wert, auch wenn der Freund gewinnt.

        LOTTELO ist nicht auf dem ‚Sozialtrip‘ und tritt auch nicht an, die Welt zu verbessern. Es ist ein Gewinnspiel aber es ist eine Gegenthese zum egoistischen Glückspiel.

        Es ist legitim, jede Art von Gewinnspiel abzulehnen aber ich bin mir sicher, dass Menschen weniger süchtig werden, für ihre Freunde als für sich selbst zu spielen.

  3. siyani schreibt:

    wenn ich die antwort von herrn goldscheider (in der annahme, dass ers ist), nicht nachvollziehbare und fragwürdige gewinnchancen für ab 16jährige als valentinstag-wunsch hochzuloben, als zynismus bewerte, bin ich zufriedengestellt. somit vollziehe ich einen ernst nicht nach, denn ohne diesem beschenk-mich-trick wäre das partout ja sofort zum rechtlichen scheitern verurteilt gewesen. ich kann mir also ersparen, lottelo als das neunlive im internet zu bewerten, dessen betrugsvorwürfe im netz leicht nachzuvollziehen sind.

    dumm nur, dass ich ihm den sozialtrip nicht abnehme.

    ps: abgesehen davon vertrag ichs nicht, herr goldscheider, wenn unternehmen gross die webzwonull-transparenz via brienchens pressetext rausbrüllen und dann auf youtube kommentare löschen bzw. offensichtlich ip-adressen zum kommentieren sperren.

  4. siyani schreibt:

    sorry für den letzten absatz, mein kommentar ist heute doch wieder (noch?) da! ist etwas verwirrend mit kanal und nichtkanal auf youtube…

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