Meine erste Pille danach

Vikela - Viel Verpackung für wenig Pille

Vikela - Viel Verpackung für wenig Pille

„Furchtbar traurig“, „komplett falsch“, „Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik“: Die Entscheidung von Gesundheitsminister Alois Stöger, mit 17. Dezember 2009 das Notfallverhütungsmittel Vikela (umgangssprachlich „Pille danach“) in Österreich rezeptfrei abzugeben, hat heftige Reaktionen (vor allem von kirchlicher Seite) ausgelöst. Die Tablette würde die Einnistung der befruchteten Eizelle verhindern und käme daher einer Abtreibung gleich, und außerdem sei eine Abgabe der Hormonbombe ohne ärztliche Beratung unverantwortlich.

Meine Neugierde war geweckt: Wie schwierig (oder einfach) ist es, an einem Sonntagnachmittag die „Pille danach“ zu erhalten – und welche Informationen bekommt man (als Mann)?

Zunächst mal ein bisschen Vorrecherche: Vikela hat den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keine abtreibende Wirkung (im Gegensatz zur echten „Abtreibungspille“ Mifegyne), sondern verzögert den Eisprung und bremst die Spermien. Eine Schwangerschaft wird also nicht abgebrochen (wenn die Eizelle bereits befruchtet ist, hilft die „Pille danach“ gar nix), sondern nur die Wahrscheinlichkeit geschmälert, dass Eizelle und Spermien aufeinander treffen. Im Gegensatz zu ihren Wiener Kollegen scheint sich die katholische Kirche Vorarlberg über die Wirkungsweise der „Pille danach“ informiert zu haben.

Das Argument der „Abtreibung light“ wird also durch die Wissenschaft entkräftet, wie gut ist aber die Information über die Wirkungsweise von Vikela? Laut „Österreichischer Apotheker-Zeitung“ sollen die Apotheker die Kundinnen und Kunden beim Kauf der „Pille danach“ über folgende Dinge aufklären: Erstens, die „Pille danach“ ist keine Verhütungsmethode, sondern soll nur in Notfällen eingesetzt werden. Zweitens, ein Besuch beim Frauenarzt ist ratsam. Drittens, die „Pille danach“ wirkt nicht in allen Fällen – die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft steigt mit dem zeitlichen Abstand zwischen Sex und „Pille danach“. Viertens, die „Pille danach“ bietet keinen Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Und fünftens, die Gebrauchsanweisung soll gelesen werden.

Frostig ist es an diesem Sonntag, und daher fällt die Wahl auf eine nahe Apotheke im neunten Wiener Gemeindebezirk. Bevor ich die Glocke betätige, lege ich mir eine Geschichte zurecht, um den Kauf der „Pille danach“ zu rechtfertigen: Beim leicht alkoholisierten Geschlechtsverkehr sei es zu einem Malheur mit dem Kondom gekommen. Die Freundin nehme derzeit nicht die Pille, habe sie aber früher genommen und gut vertragen (ist laut Vorrecherche eine der Fragen, die in diesem Zusammenhang gestellt werden). Außerdem sei sie verkühlt, weshalb sie mich zur Apotheke geschickt habe.

Mit der Sicherheit, auf alle eventuelle Fragen eine Antwort zu haben, läute ich also bei der Notfallklappe der Apotheke, eine ältere Dame begrüßt mich mit einem freundlichen „Grüßgott!“ – „Grüßgott, haben Sie die ‚Pille danach‘?“ – „Ja“, antwortet die Frau und geht nach hinten zu den Regalen. Ich bin positiv überrascht – kein abschätziger Blick, keine stumme Kritik, aber auch keine Fragen. „Das macht 13 Euro“, ruft sie mir zu, und stellt ihre einzige Frage in diesem Gespräch: „Haben Sie es in klein?“ Ich bezahle. „Wie muss man die Tablette einnehmen?“ – „Lesen Sie die Gebrauchsinformation.“ – „Und worauf sollte man aufpassen?“ – „Steht alles auf dem Beipackzettel.“

Ich verabschiede mich und betrachte den Inhalt der Verpackung: eine einzelne Tablette und ein umfangreicher Beipackzettel, der neben der üblichen Auflistung von Wirkung und erwünschten Nebenwirkungen den Hinweis enthält: „Wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie weitere Fragen zu Vikela haben.“ Zumindest in meinem Fall scheidet die Option mit der Apotheke aus.

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5 Antworten zu Meine erste Pille danach

  1. harp schreibt:

    da muss ich schon sagen durchaus interessantes Sonntagsexperiment – ich bin überrascht wie einfach dir das gelungen ist! schade wenn man sich die mühe macht ein lückenloses Bedarfsalibi zu erstellen und dann nicht mal die Gelegenheit hat es zum besten zu geben 😉

  2. Sebastian Klaus schreibt:

    That’s life.

    Aber bleiben wir doch ohnehin mal realistisch: Die Vikela hat, wie oben beschrieben, keinerlei abtreibende Wirkung. Ergo ist es mir völlig klar, dass es keiner großartigen „Gesundheitsanalysen“ und/oder Rechtsaufklärungen vor der Ausgabe bedarf. Es handelt sich hierbei doch lediglich um ein Ergänzungsprodukt zu Schwangerschaftshemmung – nicht Verhinderung. Dass die Apothekerin an ihrem Notdienstsonntag den Kurzverweis auf den langen Beipackzettel gibt ist Gang und Gäbe und nachvollziehbar, betrachtet man sich, dass beim Spontankauf von Aspirin auch lediglich Preis und Art der Zahlung zur Debatte stehen.

    Soviel zu meiner Meinung hierzu.

    Insgesamt: Vielen Dank für den durchaus interessanten Artikel.

  3. Lorena schreibt:

    Ich habe die Pille danach mit wasser eingenommen war das falsch ?

    • B.Licht schreibt:

      Liebe Lorena,
      es ist vollkommen egal, ob du die Pille danach mit Wasser, Saft, Kaffee oder Red Bull einnimmst – die Pille sollte so oder so wirken.
      Liebe Grüße,
      B. Licht

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