Mein Koran

In meinem Bücherregal steht jetzt ein Koran. Direkt neben der Bibel. Ein schönes, grünes Exemplar mit goldenen Verzierungen, gesponsert vom saudischen Königshaus und – laut Impressum – unverkäuflich.

Bekommen hab ich das Buch in der Schura-Moschee am Wiener Praterstern, wo vor kurzem ein Tag der Nachbarschaft veranstaltet wurde. In der Moschee überrascht die Schlichtheit der Architektur: kein Minarett, keine Kuppel, sondern ein ehemaliges Geschäftslokal im Erdgeschoss eines mehrstöckigen Wohnhauses an der Straßenecke. Nur der Teppichboden, der Minbar (die Predigtkanzel) und Holzschnitte von Koranzitaten an den Wänden zeigen, dass man in einem Gebetsraum ist, in dessen Mitte zur Feier des Tages eine lange Tafel aufgebaut ist.

Je zur Hälfte sitzen einheimische Nachbarn und muslimische Männer (kaum Frauen) am Tisch, die freundlich auf den Sitzplatz neben sich bitten und Essen anbieten. Dass der Raum auch für Deutsch- und Arabisch-Kurse verwendet werde, erzählen sie etwa, oder dass sie gerade das Opferfest (Id al-Ith) gefeiert haben.

Obwohl die Gastgeber sichtlich bemüht sind, kommt keine gemütliche Stimmung auf. Zu konservativ ist die Umsetzung des Tags der Nachbarschaft. Aber meine Neugierde ist geweckt: Ich möchte mir einmal ein Freitagsgebet in der Schura-Moschee ansehen. Bis dahin werde ich ab und zu mal in dem Koran blättern, den mir ein Mädchen in weißer Kleidung und mit weißem Kopftuch beim Ausgang in die Hand gedrückt hat.

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Eine Antwort zu Mein Koran

  1. Mailin schreibt:

    Wir (der Kurs der Interkulturellen Theologie) waren auch vor kurzem in einer Moschee zu Besuch und haben auch mal im Freitagsgebet mitgemacht. Das ist ja noch sehr körperbezogen – spannend! Leider waren auch keine Frauen da, aber sehr nette und aufgeschlossene Männer, mit denen wir uns wirklich gut unterhalten haben. Ich denke aber, dass das schon auch eine sehr offene Gemeinde war, da sie auch grundsätzlich Beziehungen zur hiesigen evangelischen Gemeinde pflegt. Auf jeden Fall hat es echt Spaß gemaht!

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