Mein Bisamberg

Bisamberg

Bisamberg

Schnell und unspektakulär fällt ein Stück österreichischer Mediengeschichte zu Boden: Der 265 Meter hohe Sendemast am Wiener Bisamberg wird gesprengt, die überdimensionale Metallnadel knickt in sich zusammen, das höchste Bauwerk Österreichs ist Vergangenheit. Erhalten bleiben soll das Sendegebäude aus den 1930er Jahren, in dem Generatoren, Transistoren, Schalter und Blinklichter schlummern – ein Setting wie geschaffen für einen Science-Fiction-Film in den 1960er Jahren.

Es war im Sommer 2003, dass ich zum ersten Mal unter dem Mittelwelle-Sendemast stand. Zu diesem Zeitpunkt habe ich bereits meine ersten Radiosendungen über diesen Sender in den Äther geblasen, unzählige weitere sollen folgen beim Studentenradio U-Ton auf Radio 1476. Die Sendungen sind von Hammerfest bis Agadir, von Lissabon bis Moskau zu hören – theoretisch, weil neue Radios oft nur noch FM empfangen. Der ORF erkennt die schwindende Bedeutung der Mittelwelle und überlässt sie den Volksgruppen und Jungjournalisten, die dort den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen oder Erfahrung sammeln sollen.

Mit Jänner 2009 ist auch damit Schluss: 1476 übersiedelt ins Internet und wird zu Ö1 Campus – ein reines Online-Radio. Die versprochenen Features – Sendungen on Demand, Archivfunktion, etc. – werden nicht umgesetzt.

Die Sprengung des Sendemasts ist nur die logische Konsequenz seiner Bedeutungslosigkeit, allein als Orientierungspunkt hatte er zuletzt noch eine Funktion. Viel mehr zu bedauern ist, dass der ORF die Sendungen der Volksgruppen und der Experimentierfreudigen vor der Öffentlichkeit versteckt.

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